Der Gardasee war leider nur ein kurzes Intermezzo. Heute fahre ich schon wieder. Das mediterrane Flair mit Palmen und den schönen, verwinkelten Gässchen war einfach toll. Hier könnte ich auch etwas länger Urlaub machen.

Nachdem ich mein Rad aus dem Fahrradverschlag befreien konnte, mache ich mich noch einmal auf den Weg ins Zentrum von Riva. Hier muss ich noch eine kleine Besorgung tätigen. Anschließend geht es am See entlang nach Torbole und von dort aufwärts nach Nago. Die tolle Abfahrt von Vorgestern zieht sich bergauf deutlich länger. Immerhin bekomme ich anerkennende Worte von einer Gruppe überholender E-Mountainbiker. Gefühlt haben hier mind. 90% der Mountainbikes einen Motor.

Oben angekommen, brauche ich erstmal eine kurze Pause. Das Wetter meint es heute gut, es ist keine Wolke in Sicht. Für die Fahrt nach Rovereto habe ich genügend Zeit eingeplant.

Von Nago geht es erstmal noch ein Stück weiter bergauf bis zum Pass San Giovanni. Ab dort geht es (fast) nur noch bergab bis zur Etsch. Der Weg ist von vorgestern noch gut in Erinnerung. Trotzdem bemerke ich noch einige neue Sachen am Wegesrand, auf die ich beim Anstieg nicht achten konnte oder wollte.

Verlandeter Lago di Loppio

Kurz hinter dem Pass liegt der verlandete See Lago die Loppio. Dieser ist seit über einem halben Jahrhundert nahezu verlandet. Mit dem Bau des Etsch-Gardasee-Tunnels hat man dann endgültig entschieden ihn abzupumpen. Aus heutiger Sicht eine ziemliche Sünde. Aber der See ist nicht klein zu bekommen. Die Bäume haben alle wieder nasse Füße, da der See sich immer mal wieder bildet, wenn viel Regen gefallen ist.

Die letzten Kilometer nach Rovereto führen vorbei an Weinstöcken nach Mori und von dort an die Etsch. An einem Zufluss der Etsch zweigt der Weg nach Rovereto Stazione vom Etsch-Radweg ab. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Bahnhof. Am Bahnhofsvorplatz dann die Verwunderung. Es gibt eine Ampel und eine Fußgängerbrücke. Damit der Autoverkehr ungehindert fließen kann, ist die Ampel aber mit Flatterband abgesperrt. Danke Rovereto, ich trage das Rad schon rüber. Ihr könnt auch direkt an der Stadtgrenze schreiben, dass ihr keine Radfahrer haben wollt…

Nachdem ich mir die Fahrkarte nach Brenner gekauft habe, nutze ich die verbliebene 1/2 Stunde, um mir kurz Rovereto anzusehen. Die Altstadt ist ganz schön, aber viel Zeit bleibt mir nicht.

Als der Zug kommt, ist der Bahnsteig überfüllt mit Menschen. Ich habe die mittägliche Rushhour erwischt, wie in Trient auch schon. Ich quetsche mich in den Zug und versuche gerade mein Fahrrad zu verstauen, als mich die Schaffnerin fragt, wo es denn hingehen soll. Sie gibt mir freundlich zu verstehen, dass ich das Fahrrad in den letzten verbliebenen Stellplatz quetschen muss, oder den nächsten Zug nehmen darf. Tetris kann ich ja schon aus dem Hotel… also Fahrrad verstauen und los.

Ohne Halt geht’s nach Trient, wo sich der überfüllte Zug etwas lichtet. Jetzt habe ich zumindest einen Platz zum anlehnen und muss nicht balancierend an der Tür stehen. Die ganze Fahrt nutze ich dazu, die Landschaft zu genießen. Bis Bozen geht’s durch Wein- und Apfelplantagen. Ab Bozen wird das Tal ziemlich eng und die Strecke verläuft teilweise durch Tunnel. Als wir in Franzensfeste ankommen, wird der letzte Teil durch unsere Tour vom letzten Jahr wieder bekannt. Noch 20 Minuten und ein langer Tunnel und ich bin in Brenner.

Oben angekommen gönne ich mir ein Stückchen Linzertorte und kaufe noch eben kurz bei Loacker ein. Ich schwöre, es war nicht viel, trotzdem passte es nicht mehr in den Rucksack. Also habe ich kurzerhand einen Packsack nach außen verlagert, und so Platz geschaffen.

Grenzstein zwischen Österreich und Italien

Da die Sonne ordentlich gebrannt hat, habe ich mich auch noch schnell eingecremt und mich dann auf den Weg runter nach Innsbruck gemacht. Nach nicht einmal einem Kilometer musste ich allerdings schon wieder anhalten. Durch die tiefer stehende Sonne war das Wipptal fast komplett im Schatten und mir für die Abfahrt deutlich zu kühl. Mit Fleece geht’s dann direkt weiter. Irgendwann möchte man ja auch ankommen.

Der Weg hinunter ist ziemlich gut zu fahren, auch wenn es einige Autofahrer mit dem Seitenabstand nicht sonderlich ernst nehmen. Es geht stetig bergab, bis der Tacho gebietet, links abzubiegen. Hier geht es ordentlich hoch nach Schönberg im Stubaital. Wird schon passen… es gibt eine Ausschilderung zum Panoramaweg Europabrücke. Und da ich ja so viele gute Erfahrungen mit Komoot gemacht habe, stehe ich oben an der Europabrücke (Talbrücke der Brennerautobahn) und der Weg soll zielstrebig über den Seitenstreifen der Autobahn führen. Danke Komoot, immer wieder schön mit dir. Da ich weder unter einem LKW, noch in den Nachrichten als Radfahrer auf der Autobahn kommen möchte, plane ich kurzerhand um.

Es gibt einen Forstweg runter ins Tal. Diesem soll ich folgen, um dann wieder auf die Bundesstraße zu kommen, von der ich vorher hoch nach Schönberg abgezweigt bin. Vielen Dank! Wenigstens werde ich mit einer guten Aussicht belohnt. Jetzt geht es nur noch vorbei am Abzweig nach Natters (Campingplatz im letzten Jahr) und runter nach Innsbruck.

Angekommen im Hotel werde ich das erste Mal nach meinem Impfzertifikat gefragt. Eine Premiere sozusagen. Das Zimmer ist schön eingerichtet und hat ein komplett modernisiertes Bad. Im angeschlossenen Gasthof gibt’s lokale Kost. Frittatensuppe und Käsespätzle. Sehr lecker und auf jeden Fall empfehlenswert!